Bevor ich mit meinen Schilderungen loslege, würde ich Ihnen gerne eine einleitende Frage stellen:
„Wie stellen Sie sich einen Golf-Trip nach Tunesien vor?“
Überlegen Sie kurz, denn auch ich hatte anfangs ein paar Stereotypen im Kopf: Bestimmt sehr heiß, überall Wüste und viel Sand, dazwischen ein paar künstlich angelegte Golfplätze. Nun, so ist es überraschenderweise ganz und gar nicht.
Im Gegenteil! Lassen Sie mich also das machen, was ich berufsbedingt ganz gut kann. Lassen Sie mich Bericht erstatten:
Tunesien ist von Österreich aus sehr einfach und gut zu erreichen, der Direktflug von Wien nach Tunis dauert rund zwei Stunden. Man benötigt kein Visum und muss auch keine nervigen Formulare im Flugzeug ausfüllen, die man bei der Passkontrolle dann abgibt. Der Transfer vom Flughafen nach Hammamet dauert ungefähr eine dreiviertel Stunde und ist perfekt organisiert.
Die erste Überraschung, die den Aufenthalt sehr vereinfacht: Es sprechen alle perfekt Deutsch: Die Shuttle-Fahrer, die Rezeptionisten, die Kellner im Restaurant, die Bediensteten auf den Golfplätzen – wirklich alle! Und zudem sind alle ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.
Die nächste Überraschung: Die Region rund um Tunis und Hammamet ist sehr grün, von Wüste und Sand keine Spur. Das Klima ist gemäßigt, die Temperaturen liegen im Frühling bei rund zwanzig Grad. Trotzdem empfehle ich einen ständigen Blick auf die Wetterapp, weil das Wetter schnell umschlagen kann. Ich hatte von strahlendem Sonnenschein, bis hin zu Sturmböen und Regenschauern in fünf Tagen alles dabei. Teilweise hat das Wetter innerhalb von Minuten gewechselt.
In Hammamet habe ich mich für das 5-Sterne-Hotel „The Sindbad“ entschieden, das sich abseits der Sommerferienmonate (wo es mit Badetouristen ausgelastet ist) auf Golfreisende spezialisiert hat. Das Hotel hat 145 Zimmer und 9 Suiten (die Suiten sind direkt am Meer), die in den nächsten drei Jahren alle komplett renoviert werden. Die Anlage ist großzügig angelegt: Es gibt viele Grünflächen, die meisten Zimmer verfügen über eine Terrasse samt Garten, man geht durch überdachte weißgestrichene Arkadengänge von einem Bereich zum nächsten. Alle Zimmer sind überdurchschnittlich groß (meist über 30m²) und verfügen neben einem Doppelbett auch über eine Couch oder ähnliche Sitz- und Entspannungsmöglichkeit. Dazu kommen Wanne und eine separate Dusche im Badezimmer.
Das „Sindbad“ liegt direkt am Sandstrand, hat zwei Outdoor-Pools und ein Hallenbad, dazu einen Wellnessbereich mit umfangreichem Massageangebot sowie mehrere Restaurants (das Main Restaurant für alle mit Halbpension, ein Thai-Restaurant, ein BBQ-Strandrestaurant und ein gehobenes À la carte-Restaurant). Außerdem gibt es neben der Hotelbar noch eine Pool- und Beachbar, sowie ein echtes Irish Pub (kein Scherz!). Während meines Aufenthaltes waren einige internationale Golfgruppen vor Ort (aus Kanada, Skandinavien, Deutschland) – nachvollziehbar, weil das „Sindbad“ in meinen Augen das perfekte Quartier für eine Golfgruppenreise ist. Warum? Weil drei Golfplätze nur zehn Minuten entfernt sind und das Hotel einen Shuttledienst dorthin anbietet.
Also gehen wir endlich auf die Runde!
Im „Citrus Golfclub“ werde ich von der freundlichen Buchungsmanagerin Raja charmant auf Deutsch begrüßt und vor die Wahl gestellt: „Wollen Sie den leichteren oder unseren schwierigeren Golfplatz zuerst spielen?“
Die nächste Überraschung: Auf 173 Hektar bietet der „Citrus Golfclub“ gleich zwei 18-Loch-Plätze, die man beide mit einem Tages-Greenfee spielen kann. Ein unschlagbares Angebot. Ich entscheide mich nach einem kurzem Warmup auf der Driving Range in der Früh für den vermeintlich leichteren Kurs: Les Oliviers. Eine gute Wahl. Der Oliviers hat breite Fairways, die von unzähligen Olivenbäumen (daher der Name) gesäumt werden. Die Grüns sind teilweise erhöht, von Bunkern geschützt und recht schnell. Insgesamt ist der Platz ausgezeichnet gepflegt und in hervorragendem Zustand. Es war wirklich zum Wohlfühlen und Genießen, ein perfekter Start in den Golfurlaub. Ich bin mir sicher, dass auch alle, die gerade erst mit dem Golfsport begonnen haben und vielleicht zum ersten Mal im Urlaub ihre Schläger und Bälle mithaben, hier viel Spaß haben. Die Front Nine sind sehr eben, auf den Back Nine muss man etwas mehr mit dem Gelände spielen.
Nach so einem Start ist die Lust aufs Spielen geweckt, also wechsle ich am Nachmittag auf den zweiten 18-Loch-Par72-Platz im „Citrus Golfclub“: La Forêt! Wie Raja schon angekündigt hat: Der schwierigere Kurs! Nun, was soll ich sagen: Sie hatte recht. Schon nach wenigen Löchern habe ich für mich den „La Forêt“ in „La Fooooore-t“ umgetauft. Ein präzises Spiel ist gefragt und man darf sich von der wunderschönen Optik und vom Layout nicht verleiten lassen, leichtsinnig zu werden. Der Platz ist tricky! Die Abschläge müssen perfekt sitzen, teilweise kommen die Teiche und Seen so unangenehm ins Spiel, dass leichte Verzweiflung aufkommt. Zahlreiche „Blind Holes“ machen die Sache – vor allem beim ersten Mal auf dem „La Forêt“ – auch nicht einfacher. Ich denke, dass man sich leichter tut, wenn man den Platz öfter spielt. Mich hat der Sonnenuntergang auf der abschließenden 18. Bahn für so manchen verlorenen Ball entschädigt, insgesamt war es sicher einer der schönsten Plätze, auf dem ich jemals gespielt habe.
Auf dem besten Weg dorthin ist der dritte Golfplatz in Hammamet, der direkt an den „Citrus Golfclub“ grenzt: Yasmine Golf. Er hat im wahrsten Sinn des Wortes eine bewegte Eigentümer-Geschichte hinter sich und kommt gerade in ruhigeres Fahrwasser. Vor drei Jahren wurde der Club neu übernommen und befindet sich seitdem in einer umfassenden Renovierungsphase: Das Clubhaus (mit tollem Ausblick auf den Platz) ist bereits fertig umgebaut und saniert, neue E-Carts sind in Anlieferung und auch auf dem Platz machen sich die Umbauarbeiten schon positiv bemerkbar. Allerdings braucht es noch ein bisschen Zeit, bis auf den umgebauten Fairways alles gut angewachsen ist. Landschaftlich ist der Yasmine Golfplatz wunderschön gelegen: Mit einem großen See, um den die ersten neun Löcher angelegt sind. Über die zweiten neun Löcher kann ich leider keinen Bericht erstatten, weil mich der orkanartige Wind mit Starkregen zur Aufgabe gezwungen hat. Ein kurzer, aber trotzdem cooler Golfvormittag im Yasmine Golfclub ist so überraschend zu Ende gegangen.
Und wie fällt jetzt das Fazit aus?
Tunesien ist für eine Golfgruppenreise auf jeden Fall ein neues, überraschend gutes Ziel, das vor allem mit seinem Preis-Leistungsverhältnis und den ausgesprochen gut gepflegten Golfplätzen punktet. Beim Wetter wäre in meinem Fall noch Luft nach oben, trotzdem: Ich kann es voller Überzeugung empfehlen!









