Der 12. Februar 2026 wird für Alessandro Hämmerle und Jakob Dusek für immer ein Feiertag bleiben. Erst in der letzten Kurve des Finallaufs in Livigno fiel die Entscheidung im Snowboard-Cross um Gold, Silber und Bronze. Eigentlich duellierten sich die beiden den gesamten Lauf über um Platz 3, ehe sie kurz vor Schluss die perfekte Linie erwischten und den Rennausgang komplett auf den Kopf stellten.
Am Ende krönte sich „Izzi“, wie Hämmerle seit Kindestagen genannt wird, nach Gold bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking, vier Jahre später in Italien zum Doppelolympiasieger. „Jacky“ Dusek durfte am Ende über Bronze jubeln. Für ihn war es nach dem Weltmeistertitel 2023 die erste Olympia-Medaille. Dass er diese zusammen mit seinem „Spezi“ Hämmerle feiern durfte, machte das Erlebnis zu einem ganz besonderen, auf das er sehr gerne zurückblickt: „Ich denke eigentlich noch immer jeden Tag an das Finale. Eine Olympiamedaille ist das Größte, was wir in unserem Sport erreichen können. Dass wir dort gleich zu zweit auf dem Podest stehen, ist unfassbar schön“, freut sich der gebürtige Niederösterreicher. Für Hämmerle war die zweite Olympia-Goldmedaille die vorgezogene Krönung einer bis dato bereits sehr erfolgreichen Karriere. Die letzten Sekunden vor dem großen Erfolg beschreibt der Vorarlberger so: „Als ich nach dem letzten Kicker gelandet bin und gemerkt habe, ich bin schneller als alle anderen, war das ein unbeschreibliches Gefühl. Da bekomme ich jetzt noch immer Gänsehaut, wenn ich daran denke. Dass ich mit dem Jacky am Podium stehen durfte, hat das Ganze – speziell nach dem Zwischenfall im letzten Jahr – noch schöner gemacht.“ Bei der Weltmeisterschaft 2025 in St. Moritz lagen die beiden auf Gold- und Silberkurs, ehe sie sich erst in der letzten Kurve in die Quere kamen und wertvolles Tempo verloren. Am Ende hieß es statt Weltmeister und Vizeweltmeister Bronze für Hämmerle und „Blech“ für Dusek.
„Golf hat uns in den Bann gezogen“
Wenn die beiden Ausnahmesportler nicht gerade auf der Jagd nach Medaillen oder Weltcupsiegen sind, findet man sie vor allem an einem Ort: dem Golfplatz. „Ich habe mich bei der „Team Challenge“ des Sportlandes Niederösterreich zwischen Tennis, Mehrkampf und Golf entscheiden können. Meine Wahl fiel damals auf Golf – seitdem hat mich der Sport total in den Bann gezogen“, erinnert sich Dusek (Hcp 34,2) an seine Anfänge zurück. Der Weltmeister erzählt auch von Startschwierigkeiten: „Am Anfang konnte ich 9-Loch gleich einmal recht gut absolvieren. Ab dem zehnten Loch kam aber oft der Einbruch, weil der Kopf diese Belastung über vier Stunden hinweg nicht gewohnt war. Dass man über diese lange Dauer wirklich bei jedem Schlag voll da sein muss, hat mich dann noch mehr begeistert.“
„Jeder, der sagt, Golf ist kein Sport, sollte selbst einmal 18-Loch spielen. Bei meinen ersten Runden bin ich wirklich verzweifelt, weil es so anstrengend war. Ich habe mich danach niederlegen müssen, weil ich so fertig war.“
Jakob Dusek
Alessandro Hämmerle (Hcp 29,5) absolvierte bereits mit 17 Jahren einen Platzreifekurs. Es folgte eine aufgrund von Zeitmangel rund 13 Jahre lange „Golfpause“, ehe er vor zwei Jahren wieder zum Schläger griff. Der dreifache Gesamtweltcupsieger sieht im Golf vor allem einen Vorteil: „Ich habe gleich gemerkt, dass es ein richtig schöner Ausgleich für mich ist. Davor habe ich hin und wieder Tennis oder Padel-Tennis gespielt – das war mir zusammen mit den Trainings im Sommer aber zu intensiv. Da passt Golf einfach perfekt.“ Ein Fakt, den auch Dusek im Rahmen des Audi Circuit Turniers in Klagenfurt-Seltenheim hervorhebt: „Man kann Golf im Sommer einfach super in das Ausdauer- und Krafttrainingsprogramm einbauen, ohne dass es das Training stark beeinflusst. Es ist einfach eine super Ablenkung. Man muss immer an den nächsten Schlag denken und nicht an die nächste Trainingseinheit. Deswegen hat uns Golf einfach in den Bann gezogen.“
„Die Selbstgespräche, die man auf einer Runde führt und die lange Konzentration, die nötig ist, helfen mir auch beim Profisport.“
Alessandro Hämmerle
Mit dem Driver zum Olympiasieg
Dass Profisportler eher ehrgeizige Persönlichkeiten sind, liegt auf der Hand. Bei ihrem Golf-Spiel gehen es die beiden Freizeit-McIlroys jedoch etwas entspannter an. „Ich sehe das beim Golf ganz locker. Ich habe kein wirkliches Handicap-Ziel, sondern möchte mich einfach selbst ein wenig ausprobieren, hatte auch erst eine Trainerstunde. Coaching habe ich eh beim Snowboard-Cross genug“, lacht Dusek.
Auch für Hämmerle steht der Spaß am Spiel im Vordergrund. „Ich habe kein wirkliches Handicap, das ich erreichen will, sondern eine riesige Motivation und auch eine kleine „Sucht“, einfach im Golf Schritt für Schritt besser zu werden. Das Verbissene habe ich eher beim Snowboarden – Golf sehe ich eher etwas lockerer. Ich muss damit Gott sei Dank auch kein Geld verdienen“, scherzt der 32-Jährige. Dass er seine professionelle und ehrgeizige Art zu arbeiten auch in seinem Golfspiel nicht ganz ablegen kann, gibt er allerdings auch zu: „Ich analysiere sehr gerne Dinge wie Bewegungsabläufe oder Ähnliches. Beim Snowboard-Cross gibt mir das sehr viel, beim Golfen „zerdenke“ ich mir aber oft meine Schläge. Ich denke mir dann, dass mein Schwung noch besser sein könnte und ändere Kleinigkeiten, sodass danach gar nichts mehr funktioniert. Da versuche ich noch, die goldene Mitte zu finden.“
Der 18-fache Weltcupsieger findet auch in seinem entscheidenden Lauf bei Olympia 2026 Parallelen zum Spiel mit der kleinen weißen Kugel. „Ich habe es ähnlich gesehen wie beim Golfen. Ich hatte von Beginn an ein Grundvertrauen in meine Fähigkeiten. Oben weg musste ich „nur“ mit dem Driver am Fairway landen, keinen 300-Meter-Schlag riskieren und unten war ein perfektes kurzes Spiel nötig. Es war taktisch genau richtig gespielt“, erklärt der Doppelolympiasieger im Rückblick auf seinen größten Erfolg.
„Flights“ statt „Heats“
Der Sprung vom Rennkurs auf die Greens des Landes ist für die beiden ÖSV-Athleten also eine sehr gern gesehene Abwechslung. Doch auch abseits der rot-weiß-roten Golfanlagen arbeiten sie an Drives, Chips und Putts. „Das eigene Bag schafft es leider nicht immer mit auf Reisen. Trotzdem versuche ich, wenn es die Zeit erlaubt, auch im Ausland Golf zu spielen. Ich war zum Beispiel schon in Portugal und sogar in Kanada auf einer Runde“, erzählt Dusek. Während sich die beiden auf den Brettern um jeden Zentimeter duellieren, geht es auf dem Golfplatz entspannter zu. „Mit Izzi auf dem Platz ist es eher ein freundschaftliches Miteinander als harter Konkurrenzkampf“, führt der 29-Jährige weiter aus.
Da kann es auch gut und gerne einmal sein, dass der Golfsport mehr Zeit in Anspruch nimmt als der eigentliche Job. „Letztes Jahr waren wir während des Gletscher-Trainings in Cervino gefühlt mehr am Golfplatz als auf dem Board“, erinnert sich Izzi mit einem Grinsen zurück. Einer „Karriere nach der Karriere“ steht damit wohl kaum noch etwas im Weg.
JAKOB
DUSEK

Geboren: 19.11.1996 in St. Pölten
Familienstand: Freundin Hannah
Erfolge: Weltmeister 2023, Vizeweltmeister Team-Bewerb 2023, Olympia-Bronze 2026, 6 Weltcupsiege, 3. Platz im Gesamtweltcup 2021/22 & 2024/25
Partner: Raiffeisen, Sportland Niederösterreich, Polizei Sport, Ski Austria, Sporthilfe, Apex, ÖBV, Spotone, RWS Rechtsanwälte und Giro
Handicap: 34,2
Heimatclub: GC Lengenfeld
Lieblingsschläger: Driver
Lieblingsschlag: Drive, „wenn er geradeaus geht“
Lieblingsclub: GC Lengenfeld & GC Klagenfurt-Seltenheim
ALESSANDRO
HÄMMERLE

Geboren: 30.07.1993 in Frauenfeld (Schweiz)
Familienstand: Gattin Julia
Erfolge: 2x Olympiasieger 2022 & 2026, Vizeweltmeister 2021, WM-Bronze 2025, 3x Gesamtweltcupsieger 2018/19, 2019/20 & 2020/21, 18 Weltcupsiege
Partner: Montafon, Pfanner, Ski Austria, Giro, Apex, Union Bindings, Bundesheer, Golden-Race.com und Sporthilfe
Handicap: 29,5
Heimatclub: GC Montafon
Lieblingsschläger: Wedge
Lieblingsschlag: Chip aus ca. 70m
Lieblingsclub: Golf d’Ilbarritz (FRA) & GC Montafon
